Im weiten Land unterwegs sind:

Regie führt der scheidende Schauspieldirektor Elias Perrig – erstmals auf der Grossen Bühne. Sein erster Schnitzler. Das Stück hat er für sich erst entdecken müssen. Umso spezieller ist es … Für alle ist es der erste Schnitzler, ausser für die Dramaturgin Martina Grohmann, die hat schon einmal ein „Reigen“-Projekt gemacht. Deshalb besteht auch keine Gefahr, dass die Schauspieler auf einen eingeölten üblichen Schnitzler-Ton verfallen könnten – bei Georgette Dee als Meinhold z.B. völlig unvorstellbar, keine prononciert das Wort „tragisch“ wie sie. Ihr geben höchstens Burkhard Niggemeier oder Fabian Simon am Klavier Töne vor. Die sind auch wechselweise Korsakow, der tote Klavierspieler, der als Zombie hier noch herumgeistert, und Demeter Stanzides, die neue Eroberung der Adele Natter, die an ihrem Mann einfach nie genug hat, und er schaut ganz gerne zu, die Natters sind so etwas wie eine perfekte Symbiose und Hanna Eichel und Hartmut Lange geben ein lüsternes bis lustiges Voyeur-Paar. Andere Töne nämlich den ständig mutierenden Text gibt unsere Souffleuse Iris Eick ein. Und für die richtigen Zeichen im Werk ist Inspizient Jean-Pierre Bitterli zuständig, aber Text und Zeichen sind im Moment noch  genausowenig sicher, wie der verstorbene Korsakow vielleicht, wahrscheinlich bis sicher der Verflossene der Genia Hofreiter gewesen sein könnte. Aber wer ist Genia eigentlich? Ist es Astrid Meyerfeldt in ihrem Albtraum oder in einem ihrer grossen Auftritte? Sind das ihre Kleider? Oder trägt sich schon Kostüme von Charlotte Willi? Jedenfalls wird sie in mehreren auftreten. Das ist sicher, und nicht nur dafür haben wir zum Glück auch Lena Vallee als Kostümassistentin dabei – so sicher wie Genia da oben auf der Bühne einiges mit Friedrich Hofreiter, der ihr Mann ist, auszuspielen hat und dass sie sich auf einem Trip durch die Geisterbahn befindet und gegen jede Menge Chimären anzukämpfen hat, zwischen Liebe und Gefährdung. Den spielt wiederum Martin Butzke, das ist sicher, denn er baut sich vom charmanten Liebhaber bzw. Ehemann ab Akt 3 zu einem Ungeheuerlichen auf, bis die Kugel nicht mehr am Billardtisch, sondern aus der Pistole trifft und zwar den Otto von Aigner, den jungen Marine-Fähnrich, der hier auf der Strecke bleiben muss, damit das Spiel weitergehen kann. Benjamin Kempf ist dieser junge Marine-Fähnrich, der auf jede leidenschaftliche Aufforderung einsteigt, ob es das verführerische Angebot einer  Genia oder die Aufforderung ihres Mannes zum Duell ist. Die andere, über die der Hofreiter-Sturm wegfegt ist Erna Wahl bzw. Carolin Schär, die in diesem Stück als einzige im vollen Ton der Wahrheit: „Ich liebe dich.“ sagen kann. Allerdings zu einem, der darauf viel, aber nicht ebendas erwidern kann: Friedrich. Währenddessen der Doktor Mauer doch eine gute Partie gewesen wäre, der ist auch kein Freund von Herzensschlampereien und am Schluss auch keiner mehr von Friedrich und hat als Arzt mit seinem Röntgenblick, das Spiel der anderen Getriebenen längst analysiert. An den sollt man sich halten – an den Rene Dumont nämlich. Irgendwann zieht der sich auch aus dem Bühnendasein zurück in den Zuschauerraum und lässt Theater Theater sein. Und das ist garnicht so leicht, denn Wolf Gutjahr hat in seine Bühne – Albtraum – einen zweiten Zuschauerraum eingebaut und der blendet in Phosphorgelb. Nicht umsonst reist er hin und wieder mal ab und überlässt das Monstrum seiner Assistentin Giovanna Bolliger. Das Bühnenmonstrum wird Roland Edrich auch noch ins rechte Licht setzen. Den Überblick im weiten Land behält als einzige in aller Deutlichkeit Martha Marx als Regieassistentin, der wiederum Rebekka Bangerter als Hospitantin zur Hand geht.

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