Wo gerat ich hin?

Wo geraten wir hin, wenn wir in das weite Land hinabsteigen, hinaufsteigen, einsteigen, wenn wir das Unterbewusste antippen, wenn wir ins Innere reisen. Findet man im Inneren einer ideologisch verwahrlosten Gesellschaft, den lauten Lacher der Zivilisation oder nur das laue Echo einer erträumten Vergangenheit im Verein mit einer spröden Zukunft, die sich nicht und nicht einstellen will?

Was liegt zwischen dem Ausdruck eines Gefühls, des Sentiments und dem Ideal desselben? Ein weites Land oder kein einziger Lidschlag? Dieser Stillstand ist ereignis-, wort- und handlungsreich.

(Zwei tote Liebhaber und Sherlock Holmes, ein gefallenes Mädchen, ein Gipfelsturm, der vorüber geht, eine nie realisierte Tiefseeforschung, eine Intrige, Träume, ein glückliches Bankiers-Paar)

Wo gerat ich hin? fragt Friedrich, als er sich hinreissen lässt, vor Natter zu argumentieren, statt ihn zu schlagen, sich zu verteidigen, sich ins rechte Licht zu setzen. Wo gerät Friedrich hin? Er fährt in diesen 5 Akten nicht nach Amerika, er wird am Schluss wahrscheinlich auch nicht verurteilt für seinen Mordstreich im Duell. Das Fatale ist, man weiss es nicht. Das Fatale ist, es bleibt wenig zu wünschen übrig. Das Fatale ist Sohn „Percy“, der da am Schluss steht und gar nicht mehr auftreten wird. Gibt es „Percy“ überhaupt in einem Spiel? Gibt es Amerika? Nenn es einen Traum, es ändert nichts.

Dieses Stück hat keine Schlusspointe und es hat keine: Utopie. Es ist ein – Witz. Die schweren Worte, wie leicht sie eigentlich sind, sie verwehen alle, sagt Genia. „Das weite Land“ crasht in einem hämischen Lachen.

„Es fließen ineinander Traum und Wachen, Wahrheit und Lüge. Sicherheit ist nirgends. Wir wissen nichts von anderen, nichts von uns. Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug.“

hat der Schnitzler in einem anderen Stück einmal geschrieben. Das könnte aber auch der Schlusssatz vom „Weiten Land“ sein, wenn man den unbedingt in Worte fassen muss.

Kollaps, Gleichzeitigkeit und Ununterscheidbarkeit sind die Symptome dieser Geschichte. Es ist unmöglich die Zuschauer und die Handelnden, Sprecher und Zuhörer auf Dauer auseinanderzuhalten. Sie sind schlussendlich alle eins.

In Genia wiederholt sich die Geschichte der Meinhold, in Erna die der Genia, genauso bei Aigner, Friedrich, Otto. Phasen ein und derselben Funktion. Das ist die Absage an die Psychoanalyse, in der das Individuum kollabiert und aufgehoben wird. Wenn man die Analogien wegstreicht, wird das Ich zur – fatalen – Tautologie. Ich bin, also bin ich …

Da geraten wir hin. Das Land der Griechen mit der Seele suchend. Laut aufbegehrend, bankrott, mit glänzender Vergangenheit und wenig Hoffnung auf die Zukunft. Im übrigen bin ich der Meinung: Dieses System muss zerschlagen werde. Dieses Stück muss zerschlagen werden. Das weite Land braucht Revolution, braucht Theater. Das weite Land braucht die Komödie.

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