Die Verwandlung des Service oder Tennis ist ein gelber Sport

Heute entsteht also Wimbledon auf der Grossen Bühne. Die tenisballgelbe Arena wird errichtet und ab morgen wird darin geprobt.

Alles neu, alles verwandelt.
Alles auf der Bühne ist Transformation. Immer.
Jede Erzählung, jede Aktion, jeder Gedanke, jede konstruierte Schnitzler-Empfindung verlangt auf der Bühne Transformation.

Schnitzler hat das wahrscheinlich gewusst, sonst würden sich seine Texte nicht so lesen, wie sie sich lesen, so scharf, so abgeklärt, so böse, so wie bei vollem Bewusstsein operiert werden. Jeder Satz, der fällt, jeder Dialog, der hier komponiert ist, jede Szene, jeder Akt, das ganze Stück ist gebaut im Hinblick auf Bühnenpräsentation. Auf Ausagieren einer Rollenzuweisung. Eine Spielannahme. Nicht umsonst hat er Backstage den Tennisplatz beschrieben oder das Aignerturm Bergsteiger-Paradies.

Die Handlung ist so selbstverständlich und nebensächlich (Erna kriegt Friedrich nicht, Genia hat ein Verhältnis mit Otto und Otto ist am Schluss tot), wie die Spielregeln beim Tennis. (Ein Tennissatz geht über sechs gewonnene Games mit zwei Abstand. Ein Match über drei Sätze, ein Game über vier Punkt usw.)

Hauptsache ist, das Tempo, die Taktik, die Technik …  Wie verwandelt einer den Aufschlag des anderen in einen Punkt für sich? Wie transformiert sich die Szene auf der Bühne zu etwas, über das man die blosse Handlung zu einer Idee transformiert? Zu einem Gedanken, zu einem Bild, zu einer sinnlichen Erfahrung.

Die Figuren sind gewappnet mit ihrer Sprache. Alle Sätze, alle Wörter fallen aus einem Bewusstsein, das grösser ist als ihre Geschichte. Sie haben einen Kontext. Einen gesellschaftlichen Kontext. Sie bilden zusammen einen sozialen Körper, eine soziale Skulptur.

Sie sind Wimbledon.

Jede Figur ist in jedem Moment nicht nur der eine Satz, den sie gerade sagt, sondern die Summe ihrer Sätze, die sie sagt, schon gesagt hat, noch sagen wird. Und die werden ausgespielt. Der Zuschauerraum, der heute auf die Grosse Bühne gebaut wurde, ist nichts anderes als eine Arena. Kenne den Gegner und treffe ihn dort, wo du um seine Schwäche weisst. Und wenn du nicht triffst, dann sei eben den Getroffenen, wälz dich im roten Sand und punkte sodann.

Spieler stellen das unrettbare Ich auf die Bühne, dass wir es von unten bewundern können. Aber: sie sind es nicht, und müssen gar nicht so tun als ob. Sie sind immer: eine grosse Idee davon. Wie Schnitzlers Text eine Vergrösserung ist, eine Idee ist, die nie so tut, als wäre sie Sherlock Holmes z.B.

Jetzt steht also Wimbledon und wir werden ab morgen verwandeln …

Eine ist hier unten schon verwandelt: Hier kommt Genia in ihrem fünften Element, in dem sie sich in die Arena stürzen wird – Who is who?

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Eine Antwort zu Die Verwandlung des Service oder Tennis ist ein gelber Sport

  1. Fabio schreibt:

    Vorbildlich, dass hier haeufig geschrieben wird.

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